Neben Rüde oder Hündin?, Kastration: Ja oder Nein? und Welches Futter? dürfte Halsband oder Geschirr? wohl eins der meist diskutiertesten Themen in Sachen Hundehaltung sein.
Mein erster Hund (Mitte der 90er) trug ausschließlich Halsbänder in verschiedenen Variationen und eigentlich alle Hunde, auf die ich über die Jahre hin traf, waren mit Halsbändern ausgestattet.
Für mich war klar und stand fest: H wie Hund, H wie Halsband.
Wann, warum und wo entstand eigentlich das erste Hundegeschirr, wer brachte es in die Masse und wie verlief die gesamte Entwicklung der verschiedensten Modelle?
Meiner heutigen Ansicht nach, eignen sich Halsbänder nur für Hunde, die nahezu 100% leinenführig sowie aus jeder Situation zuverlässig abrufbar sind und demnach weder ziehen noch gezogen werden (müssen).
Warum von einem Halsband an einem nicht zuverlässig abrufbaren bzw. nicht leinenführigen Hund abzuraten ist? Führen wir hierzu einen kleinen Selbsttest durch:
Hol dir einen Gürtel (ca. 2 – 3 cm breit) und bitte eine weitere Person, dir zu assistieren.
Leg dir nun den Gürtel um den Hals und schnalle ihn, mit max. 1 Fingerbreite zwischen Gürtel und Hals, fest.
Das andere Ende der Leine – ähm – des Gürtels bekommt deine Hilfsperson in die Hand.
Geh nun eine ganze Weile durch die Wohnung und zieh wie ein Stier mal hierhin, mal dorthin. Dann werden die Rollen getauscht und dein(e) Assistent(in) zieht dich mal in diese Richtung, mal in jene…
Fängst du schon an zu spüren, was ich meine? Tut der Nacken schon weh? Dröhnt der Kopf schon ein bisschen?
Der Nacken und Kehlkopf eines Hundes sind sehr empfindliche Bereiche, die ein Hundeleben lang (aus)halten und deshalb durch bedachten Umgang besonders geschützt werden müssen.
Neben einer angeborenen oder erworbenen Kehlkopflähmung, welche meist operativ behoben werden kann, stellt die Kehlkopfquetschung made-by-halsband-und-mensch einen irreparablen Schaden dar.
Durch den oftmals groben, unüberlegten Umgang, den Menschen mit einem Hund im Halsband an den Tag legen oder einem Vierbeiner, der immer wieder auf Teufel komm raus in die Leine geht, werden über kurz oder lang der Kehlkopf und somit nicht nur Luft- und Speiseröhre, sondern auch die Nackenwirbel dauerhaft geschädigt.
Das selbe gilt für viel zu eng angelegte Halsbänder gegen Parasiten, die über Monate hin am Hund gelassen werden.
Es soll absolut nicht als Freifahrtschein zu verstehen sein, einen Hund rau behandeln zu dürfen, aber gerade bei “Zughunden” bietet ein Geschirr den Vorteil der Kräfteverteilung auf mehrere Körperregionen und verhindert bzw. vermindert dadurch etwaige Schäden am Hund.
Gerne wird auch behauptet, dass die Gehorsam- sowie Leinenführigkeit einzig und allein, am “allerbesten” und ausschließlich mit einem Halsband erreicht wird. – Dies betrachte ich persönlich als absoluten Quatsch!
Am Halsband bringt man es dem Hund zeitlich gesehen lediglich schneller, weil “griffiger” bei als mit einem Geschirr.
Beim CT, dem ich Gino im Sommer 2010 unterziehen ließ, kam u.a. heraus, dass er im Nackenbereich eine bereits verkapselte Knochenabsplitterung hat, die höchstwahrscheinlich aus sehr frühen Halsbandzeiten herrührt, in denen er sich noch im Wachstum befand und besonders anfällig für Verletzungen war.
Ein verletzter Kehlkopf äußerst sich nach einer Ruhephase beim Aufstehen, direkt nach dem Trinken, während des Essens, einfach so beim tiefen Luft holen sowie nach einem Tempospiel mit plötzlichem, röchelndem, trockenem Husten, der unberechenbar auftritt und vorschnell mit einer möglichen Herzerkrankung gleich gestellt wird.
Weit bevor ich auf diese Problematik aufmerksam wurde, war unser allererstes Geschirr so ein Sicherheitsset zum Anschnallen im Auto; optisch nicht gerade der Bringer und auch funktionell nur eingeschränkt empfehlenswert.
Waren wir einfach nur Gassi oder anderweitig unterwegs, trug Gino sein Halsband bzw. wechselte ich ständig von Autogeschirr zu Halsband und zurück, was mir allerdings recht bald, aufgrund der Umständlichkeit ziemlich auf die Nerven ging.
Über “mein” damaliges Hundeforum wurde ich auf die Power- und TPP-Gurtbandgeschirre von K9 aufmerksam, welche man mit witzigen Klettlogos besetzen kann, wovon wir mittlerweile ca. 30 Paar besitzen…
In unserem Hundehotelurlaub wurde ich auch bald eines Besseren belehrt: vor allem an Regentagen reicht nur ein Geschirr niemals aus. …
Wir kauften vor Ort das Zweite für Gino und ich schätze, das war der Startschuss für meine “Gier”, mich in der Welt der Hundegeschirre umzusehen. …
Aktuell besitzt Gino 10 Geschirre mit teilweise den dazu gehörigen Leinen für den Alltagsgebrauch von Trixie, Hunter, Feldmann, K9 und Kik. 1 Maßanfertigung inkl. Leine aus echtem Leder mit Nietenbesatz, welches außer zur Anprobe noch nie richtig getragen wurde von ManuRo (2. Bild von unten), 1 Lederset “von der Stange” und ein so genanntes Chow-Chow-Modell von blaire.de
(3. Bild von unten) mit seinem Namen auf der einen sowie meine Telefonnummer auf der anderen Seite.
Beim Kauf sollte man neben dem, für den Hund bequemen Sitz, auch darauf achten, dass es primär zum Gesamtbild des Vierbeiners passt sowie für Mensch und Tier möglichst einfach und schnell zu handhaben ist, ohne bspw. erst überlegen zu müssen, wie rum es nun richtig wäre oder die Pfoten anzuheben, um rein bzw. wieder raus zu kommen.
Ein opulentes, “cooles” Geschirr zu einem halben Hemd von Hund ist genauso daneben gegriffen, wie Stringtangaoptik bei einem bulligen Fellmodell.
Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, in der Bodenseeregion wohnt oder sich gerade dort aufhält, schaut einfach mal bei Dog & Walk in Stockach vorbei und lässt sich ausführlich beraten.
*in diesem Sinn*
eure Sandra